19. Januar 2016

Fair Wear Foundation Audits in Mazedonien

Seit Februar 2015 ist workfashion.com Mitglied der Fair Wear Foundation. Um die Einhaltung der Arbeitsrichtlinien (Code of Labour Practices) sicherzustellen, prüft FWF regelmässig die Arbeitsbedingungen in den Fabriken. Vom 23.-26. September fand ein solches Audit bei unseren Produktionspartnern in Mazedonien statt. Unsere Nachhaltigkeits-Koordinatorin Flavia Jecklin hat die Auditoren begleitet und ist mit vielen wertvollen Eindrücken zurückgekehrt.


Während drei Tagen prüften die drei Auditoren der Fair Wear Foundation die Produktionsstätten in Mazedonien, um die Einhaltung der acht Arbeitsrichtlinien (Code of Labour Practice) sicherzustellen.

Die systematische Überprüfung fand auf drei Ebenen statt:

  • Anonyme Interviews mit Mitarbeitern ausserhalb der Produktionsstätte (fanden vor dem Audit statt) und während des Audits in Gruppen oder mittels Einzelinterviews (randomisiert über alle Abteilungen)
  • Prüfung der Dokumente: Arbeitszeiterfassung, Löhne, Dokumente über Sicherheitsanlagen/Prüfungsrundgänge
  • Prüfung der Infrastruktur

 Zudem werden Interviews mit dem Management und Stakeholdern geführt, welche als Basis dienen, damit die Gesamtlage bestmöglich beurteilt werden kann.

Wir haben unserer Nachhaltigkeits-Koordinatorin Flavia Jecklin ein paar Fragen zum Ablauf
des Audits gestellt

Flavia, wie läuft ein solches FWF Audit vor Ort ab?

Zu Beginn stellen sich die Auditoren dem Management vor, erklären den Grund ihres Besuchs und geben eine kleine Übersicht über den Ablauf des Audits. Dieses erste Treffen findet jeweils in einer sehr angenehmen und lockeren Atmosphäre statt, um das Eis zu brechen.

Danach teilen sich die drei Auditoren auf, um die Überprüfung auf den drei Ebenen durchzuführen. Nach einem ersten Durchlauf setzen sich die Auditoren zusammen, um die Zwischenresultate und allfällige Lücken zu besprechen. Danach werden die restlichen Informationen besorgt.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen wird von den Auditoren vor Ort ein erster Reportentwurf erstellt, der die Ergebnisse des Audits festhält. Zum Abschluss wird dieser mit dem Management besprochen und bereits erste Verbesserungsvorschläge aufgezeigt.

Was geschieht anschliessend mit diesem Report?

Der Report wird an die Fair Wear Foundation Zentrale weitergeleitet, welche auf dieser Basis einen Corrective Action Plan ausarbeitet. Dies ist ein Plan, welcher allfällig entdeckte Mängel in Bezug auf die überprüften acht Arbeitsrichtlinien aufzeigt. Danach ist es unsere Aufgabe, diese Massnahmen zusammen mit dem jeweiligen Werk umzusetzen.

Was waren deine Beobachtungen vor Ort?

Mir ist besonders aufgefallen, dass die Auditoren darauf bedacht sind nicht zu kritisieren, sondern vielmehr Inputs für Verbesserungen aufzuzeigen. Die Produktionsstätten sollen die Audits als Chance und nicht als Prüfung ansehen. Dadurch, dass die Auditoren selber aus Mazedonien stammen und die Gegebenheiten vor Ort sehr gut kennen, ist die Akzeptanz durch die Produktionsstätten vorhanden.

Wo liegt deiner Meinung nach das grösste Verbesserungspotential in den beiden Werken?
Beide Werke sind bereits auf einem sehr guten Stand, was mich positiv beeindruckt hat. Zudem bestehen in Mazedonien bereits viele gesetzliche Richtlinien, die den Vorgaben der Fair Wear Foundation entsprechen. Leider mangelt es jedoch zum Teil an der Umsetzung. Zudem sind die Mazedonier nach wie vor von der kommunistischen Vergangenheit geprägt, was sie z.B. an der Bildung von Gewerkschaften hindert.

Meiner Meinung nach sehe ich noch Verbesserungspotentiale in der Überzeitenreglung, der Entlohnung und teilweise auch in der Sicherheit. Da werden wir zukünftig mit den beiden Werken noch stärker zusammenarbeiten, um die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter stetig weiter zu verbessern.

 

Inzwischen haben wir von Fair Wear Foundation den Corrective Action Plan erhalten und werden gemeinsam mit den beiden Werken an der Verbesserung der bemängelten Punkte arbeiten.

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